FATBIKES – was können die dicken Brummer?

SIE KOMMEN AUS DEN WÄLDERN NORDAMERIKAS, DORT, WO EIN VORANKOMMEN BESCHWERLICH UND MIT EINEM HERKÖMMLICHEN RAD UNMÖGLICH IST. ALS BIKE FÜR EXPEDITIONEN DURCH SCHNEE, WÜSTE ODER GERÖLL HABEN SIE IHREN SIEGESZUG GESTARTET, JETZT SIND SIE IN DER MITTE DER MOUNTAINBIKEWELT ANGEKOMMEN. FREIZEITSPORTLER HABEN DAS FATBIKE ALS SPASSGERÄT UND ALLROUNDBIKE ENTDECKT, DAS UNVERGLEICHLICHE FAHREIGENSCHAFTEN BIETET. DOCH WAS KANN EIN SOLCHES BIKE MIT 4 ZOLL DICKEN REIFEN – UND WAS NICHT?

Es ist schon erstaunlich, für wie viel Aufsehen ein Fahrrad sorgen kann. Während meinem über 5.000 Euro teuren High- End-MTB an der Ampel kaum jemand Beachtung schenkt, guckt mir auf dem geliehenen Fatbike fast jeder hinterher. Na klar, dieses Design fällt auf, es ist fett, brachial und ungewöhnlich, ein muskelbetriebenes Moped. „Ist das nicht ziemlich schwer?“ werde ich oft gefragt oder: „Wie fährt sich denn sowas?“. „Nein, es ist sogar ziemlich leicht!“ und „Es fährt sich ganz ausgezeichnet!“ sind dann meine passenden Antworten.

Doch der Reihe nach. Fatbikes sind wahre Traktionsmonster. Die Reifen sind mit 4 Zoll in etwa doppelt so breit wie ein herkömmlicher Mountainbikereifen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Das Luftvolumen der Schlappen ist riesig und das ist von noch größerer Bedeutung. Der Reifen mit seinem gigantischen Volumen funktioniert als Federelement, das zudem mit sehr niedrigem Druck gefahren werden kann. Dieser niedrige Reifendruck sorgt für eine große Reifenaufstandsfläche, also der Bereich, in dem der Reifen Kontakt zum Untergrund hat. Beides zusammen sorgt für extrem viel Traktion, Fatbikes bieten ein überragendes Fahrverhalten in Kurven und in Kletterpassagen. Der niedrige Reifendruck hat aber noch einen anderen Vorteil: Durch die hervorragende Anpassung des Reifens an den Boden ist die Kraftübertragung enorm, besonders auf losem Untergrund wie Sand, Schnee oder grobem Schotter ist ein Fatbike jedem anderen Bike deutlich überlegen. Die Theorie dahinter: Ein Rad mit schmalen Reifen verschiebt den Untergrund, beim Fatbike verformt der Untergrund den Reifen. Somit ist ein Fatbike ein prädestiniertes Rad fürs Gelände. Zwar kann man auch locker auf Asphalt rollen, dort kann es seine Trümpfe aber nicht voll ausspielen.

Besonders in den USA kann man bereits viele Freizeitsportler beobachten, die ihr Mountainbike gegen ein Fatbike getauscht haben. Die großartige Traktion kommt besonders in anspruchsvollen Fahrsituationen zum Tragen. Geht es sehr steil bergauf, klebt der Reifen förmlich am Boden, ein Durchrutschen ist kaum zu provozieren, selbst wenn man es darauf anlegt. Kletterpassagen werden damit zur ganz neuen Herausforderung, Abschnitte, die als unfahrbar galten, werden plötzlich realistisch. Auch in Kurven und Anliegern kommt die überragende Bodenhaftung zum Tragen. Der Begriff „Schräglage“ kann neu defniert werden, der Grip reißt auch bei extremen Manövern so gut wie nie ab. Bei Bremsmanövern ist die Traktion extrem effektiv, hier wirkt sich die sehr große Reifenaufstandsfäche ebenfalls positiv aus, der voluminöse Reifen hält sehr gut Kontakt zum Untergrund.

Nimmt man diese Punkte zusammen, ergibt sich ein sehr hohes Sicherheitsniveau, welches das Fatbike nicht nur als Spezialisten, sondern auch als vollwertiges MTB interessant macht. Bei allen Vorteilen darf man natürlich nicht die Nachteile unerwähnt lassen. Wer ein verspieltes, agiles Bike bevorzugt, das Steuerimpulse blitzschnell umsetzt oder mit dem man über jede zweite Bodenwelle abzieht, der ist sicher mit einem herkömmlichen MTB besser bedient. Das relativ hohe Gewicht der Reifen zahlt hier seinen Tribut, explosive Antritte sind nur bedingt möglich. Allerdings sind Fatbikes nicht so schwer wie sie aussehen, erstaunlicherweise fahren sie sich sogar ziemlich leichtfüßig. So wiegt das ROSE Fatbike-Topmodell THE TUSKER 2 mit rund 13,4 Kilogramm nicht mehr als ein durchschnittliches Mountainbike.

Ausgestattet mit Carbongabel und SRAM XO1 Antrieb, bietet es Mountainbiketechnik auf Top- Niveau, die massiven, 4 Zoll breiten Schwalbe Jumbo Jim Evo mit Snakeskin-Karkasse sind nahezu unzerstörbar und zeigen außergewöhnliche Fahreigenschaften. Sicher ist ein Fatbike kein Bike für jedermann. Und trotzdem sind seine Vorteile vielfältig und ausgeprägt. Traktion und Grip sind außergewöhnlich hoch, es hat ein sehr gutes Überrollverhalten und hervorragenden Vortrieb, gerade bei schwierigem Untergrund. Auch ohne Federgabel ist der Fahrkomfort im Gelände erstaunlich, Schläge und Mikrovibrationen werden durch das große Reifenvolumen effektiv geschluckt. Insgesamt ein interessantes und vielseitiges Bike, das eine echte Alternative zum MTB darstellt und nicht zuletzt verdammt cool aussieht.